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Der CIX (Commercial Internet Exchange) war einer der ersten Internetknotenpunkte, die den kommerziellen Datenaustausch zwischen verschiedenen Netzwerken ermöglichten. Als Meilenstein in der Entwicklung des Internets legte er den Grundstein für die heutige globale Vernetzung und markierte den Übergang von akademischen zu kommerziellen Anwendungen.

Allgemeine Beschreibung

Der Commercial Internet Exchange (CIX) wurde 1991 als nicht-gewinnorientierte Organisation gegründet, um den Austausch von IP-Datenverkehr (Internet Protocol) zwischen kommerziellen Internetdienstanbietern (ISPs) zu erleichtern. Vor seiner Einführung war das Internet primär ein akademisches Netzwerk, das von staatlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen genutzt wurde. Der CIX schuf eine neutrale Plattform, auf der ISPs unabhängig von ihrer Größe oder Herkunft Datenverkehr austauschen konnten, ohne auf die Infrastruktur des damaligen NSFNET (National Science Foundation Network) angewiesen zu sein.

Die Gründung des CIX war eine direkte Reaktion auf die wachsende Nachfrage nach kommerziellen Internetdiensten. Das NSFNET, das bis dahin das Rückgrat des US-amerikanischen Internets bildete, verbot explizit kommerziellen Datenverkehr. Diese Einschränkung behinderte die Expansion des Internets in den privaten Sektor. Der CIX umging diese Restriktion, indem er eine separate Infrastruktur bereitstellte, die ausschließlich für kommerzielle Zwecke genutzt werden konnte. Dies ermöglichte es Unternehmen, eigene Netzwerke aufzubauen und miteinander zu verbinden, ohne gegen die Nutzungsbedingungen des NSFNET zu verstoßen.

Technisch basierte der CIX auf einem sogenannten Peering-Modell, bei dem ISPs direkt miteinander verbunden wurden, um Datenverkehr auszutauschen. Im Gegensatz zu Transitmodellen, bei denen ein ISP Datenverkehr über einen zwischengeschalteten Anbieter weiterleitet, ermöglichte Peering eine effizientere und kostengünstigere Datenübertragung. Der CIX nutzte hierfür dedizierte Router und Hochgeschwindigkeitsleitungen, die an zentralen Standorten wie Palo Alto, Kalifornien, installiert wurden. Diese Infrastruktur war darauf ausgelegt, den wachsenden Datenverkehr zu bewältigen und gleichzeitig die Latenzzeiten zu minimieren.

Die Mitgliedschaft im CIX war offen für alle ISPs, die die technischen und finanziellen Anforderungen erfüllten. Dies förderte den Wettbewerb und ermöglichte es auch kleineren Anbietern, am globalen Datenaustausch teilzunehmen. Die Organisation finanzierte sich über Mitgliedsbeiträge, die sich nach der Bandbreite der genutzten Verbindungen richteten. Diese Struktur stellte sicher, dass die Kosten für alle Teilnehmer fair verteilt wurden und keine Abhängigkeit von einzelnen großen Anbietern entstand.

Historische Entwicklung

Die Entstehung des CIX ist eng mit der Liberalisierung des Internets in den frühen 1990er-Jahren verbunden. Bis 1991 wurde das Internet in den USA maßgeblich vom NSFNET dominiert, das von der National Science Foundation (NSF) betrieben wurde. Das NSFNET war ursprünglich für die akademische Forschung konzipiert und verbot kommerzielle Nutzungen. Diese Regelung wurde jedoch zunehmend als Hindernis für die wirtschaftliche Nutzung des Internets wahrgenommen, insbesondere da Unternehmen wie UUNET, PSINet und CERFnet bereits kommerzielle Internetdienste anboten.

Als Reaktion auf diese Einschränkungen gründeten mehrere ISPs 1991 den CIX, um eine unabhängige Plattform für den kommerziellen Datenaustausch zu schaffen. Die Initiative wurde von Unternehmen wie Alternet, PSINet und CERFnet vorangetrieben, die bereits Erfahrung im Betrieb von IP-Netzwerken hatten. Der erste CIX-Router wurde in Palo Alto installiert, einem Standort, der aufgrund seiner Nähe zu wichtigen Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen gewählt wurde. Dieser Router diente als zentraler Knotenpunkt, an den sich ISPs anschließen konnten, um Datenverkehr auszutauschen.

Der CIX spielte eine entscheidende Rolle bei der Entkopplung des Internets vom NSFNET. 1995 wurde das NSFNET offiziell außer Betrieb genommen, und seine Funktionen wurden an kommerzielle Anbieter übertragen. Diese Entwicklung war maßgeblich durch den Erfolg des CIX und ähnlicher Initiativen wie der Metropolitan Area Exchanges (MAEs) beschleunigt worden. Der CIX selbst blieb jedoch nicht lange der einzige Internetknotenpunkt. Bereits Mitte der 1990er-Jahre entstanden weitere kommerzielle Internet Exchange Points (IXPs), die den CIX in seiner Bedeutung allmählich überholten.

Trotz seines relativ kurzen Bestehens als eigenständige Organisation hatte der CIX einen nachhaltigen Einfluss auf die Struktur des Internets. Er demonstrierte die Machbarkeit eines dezentralen, kommerziell betriebenen Internets und legte den Grundstein für das heutige System der IXPs. Viele der Prinzipien, die der CIX einführte, wie das Peering-Modell und die neutrale Verwaltung, wurden von späteren Internetknotenpunkten übernommen und weiterentwickelt.

Technische Details

Der CIX basierte auf einer physischen Infrastruktur, die aus Hochgeschwindigkeitsroutern und dedizierten Leitungen bestand. Die Router waren für die Weiterleitung von IP-Paketen zwischen den angeschlossenen ISPs verantwortlich und mussten eine hohe Verfügbarkeit sowie geringe Latenzzeiten gewährleisten. Die ersten Router des CIX unterstützten Bandbreiten von bis zu 1,5 Mbit/s (T1-Leitungen), was für die damalige Zeit ausreichend war, aber bereits nach wenigen Jahren durch schnellere Technologien wie T3-Leitungen (45 Mbit/s) ersetzt wurde.

Ein zentrales technisches Merkmal des CIX war das sogenannte Border Gateway Protocol (BGP), das für die Steuerung des Datenverkehrs zwischen den autonomen Systemen (AS) der ISPs verwendet wurde. BGP ermöglichte es den Routern, dynamisch die besten Pfade für die Datenübertragung zu ermitteln und so eine effiziente Weiterleitung der Pakete zu gewährleisten. Diese Technologie war entscheidend für die Skalierbarkeit des CIX, da sie es ermöglichte, neue ISPs ohne manuelle Konfiguration in das Netzwerk zu integrieren.

Die physische Verbindung der ISPs zum CIX erfolgte über sogenannte Peering-Punkte, an denen die Router der Teilnehmer direkt miteinander verbunden wurden. Diese Verbindungen wurden in der Regel über Glasfaserkabel realisiert, die eine hohe Bandbreite und geringe Fehlerraten boten. Die Kosten für die Anbindung an den CIX wurden nach der genutzten Bandbreite berechnet, wobei größere ISPs höhere Beiträge leisteten als kleinere Anbieter. Diese Struktur sollte sicherstellen, dass die Infrastruktur des CIX nachhaltig finanziert wurde und gleichzeitig für alle Teilnehmer zugänglich blieb.

Ein weiteres technisches Merkmal des CIX war die Redundanz der Infrastruktur. Um Ausfälle zu vermeiden, wurden kritische Komponenten wie Router und Leitungen mehrfach ausgelegt. Dies stellte sicher, dass der Datenverkehr auch bei einem Ausfall einzelner Komponenten aufrechterhalten werden konnte. Zudem wurden regelmäßige Wartungsarbeiten durchgeführt, um die Stabilität des Netzwerks zu gewährleisten. Diese Maßnahmen waren entscheidend, um das Vertrauen der ISPs in den CIX als zuverlässige Plattform für den Datenaustausch zu stärken.

Normen und Standards

Der CIX orientierte sich an den geltenden Standards der Internet Engineering Task Force (IETF), insbesondere an den RFCs (Request for Comments), die die technischen Grundlagen des Internets definieren. Für das Routing wurde das bereits erwähnte Border Gateway Protocol (BGP) in der Version 4 (RFC 4271) verwendet, das bis heute der Standard für die Steuerung des Datenverkehrs zwischen autonomen Systemen ist. Darüber hinaus wurden die IP-Protokolle IPv4 (RFC 791) und später auch IPv6 (RFC 2460) unterstützt, um die Kompatibilität mit den Netzwerken der ISPs zu gewährleisten.

Die physische Infrastruktur des CIX entsprach den damaligen Standards für Hochgeschwindigkeitsnetzwerke, darunter die Spezifikationen für T1- und T3-Leitungen, die von der American National Standards Institute (ANSI) und der International Telecommunication Union (ITU) definiert wurden. Diese Standards stellten sicher, dass die Verbindungen zwischen den ISPs und dem CIX eine ausreichende Bandbreite und Zuverlässigkeit boten. Zudem wurden die Router des CIX nach den Empfehlungen der IETF für die Konfiguration von BGP-Routern (RFC 1771) betrieben, um eine stabile und sichere Datenübertragung zu gewährleisten.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Der CIX wird häufig mit anderen Begriffen aus dem Bereich der Internetinfrastruktur verwechselt, insbesondere mit dem NSFNET und modernen Internet Exchange Points (IXPs). Während der CIX eine kommerzielle Plattform für den Datenaustausch zwischen ISPs war, handelte es sich beim NSFNET um ein staatlich finanziertes Netzwerk, das primär für akademische Zwecke genutzt wurde. Das NSFNET verbot kommerziellen Datenverkehr, während der CIX genau diesen ermöglichte. Moderne IXPs wie der DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange) oder der AMS-IX (Amsterdam Internet Exchange) sind direkte Nachfolger des CIX und bieten ähnliche Funktionen, allerdings mit deutlich höherer Bandbreite und globaler Reichweite.

Ein weiterer verwandter Begriff ist das Peering, das den direkten Datenaustausch zwischen ISPs beschreibt. Peering kann sowohl über private Verbindungen als auch über öffentliche IXPs wie den CIX erfolgen. Im Gegensatz zu Transitmodellen, bei denen ein ISP Datenverkehr über einen zwischengeschalteten Anbieter weiterleitet, ermöglicht Peering eine direkte und kostengünstigere Verbindung. Der CIX war einer der ersten öffentlichen Peering-Punkte, der dieses Modell auf kommerzieller Basis umsetzte.

Anwendungsbereiche

  • Kommerzieller Datenaustausch: Der CIX ermöglichte es Internetdienstanbietern, Datenverkehr direkt auszutauschen, ohne auf die Infrastruktur des NSFNET angewiesen zu sein. Dies war besonders für Unternehmen relevant, die eigene Netzwerke betrieben und ihre Dienste einer breiten Öffentlichkeit anbieten wollten.
  • Wettbewerbsförderung: Durch die Bereitstellung einer neutralen Plattform für den Datenaustausch trug der CIX dazu bei, den Wettbewerb zwischen ISPs zu fördern. Kleinere Anbieter konnten sich mit größeren ISPs verbinden und so ihre Reichweite erhöhen, ohne hohe Transitkosten zu verursachen.
  • Technologische Innovation: Der CIX diente als Testumgebung für neue Technologien und Protokolle, die später in das globale Internet integriert wurden. Beispielsweise wurde das Border Gateway Protocol (BGP) im CIX erprobt und weiterentwickelt, bevor es zum Standard für das Routing zwischen autonomen Systemen wurde.

Bekannte Beispiele

  • PSINet: PSINet war einer der ersten ISPs, die sich am CIX beteiligten, und nutzte die Plattform, um seinen Kunden kommerzielle Internetdienste anzubieten. Das Unternehmen spielte eine zentrale Rolle bei der Gründung des CIX und trug maßgeblich zu dessen technischer Entwicklung bei.
  • UUNET: UUNET war ein weiterer wichtiger Teilnehmer am CIX und nutzte die Plattform, um seinen Datenverkehr mit anderen ISPs auszutauschen. Das Unternehmen war einer der größten kommerziellen ISPs der 1990er-Jahre und trug zur Verbreitung des Internets in den USA bei.
  • CERFnet: CERFnet, ein von der National Science Foundation gefördertes Netzwerk, war ebenfalls ein Gründungsmitglied des CIX. Das Netzwerk nutzte den CIX, um seine akademischen und kommerziellen Dienste zu verbinden und so eine Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft zu schlagen.

Risiken und Herausforderungen

  • Skalierbarkeit: Der CIX war ursprünglich für eine begrenzte Anzahl von ISPs konzipiert und stieß mit dem rasanten Wachstum des Internets in den 1990er-Jahren an seine technischen Grenzen. Die Infrastruktur musste kontinuierlich erweitert werden, um den steigenden Datenverkehr zu bewältigen, was hohe Investitionen erforderte.
  • Finanzierung: Die Finanzierung des CIX basierte auf Mitgliedsbeiträgen, die sich nach der genutzten Bandbreite richteten. Diese Struktur war anfällig für Ungleichgewichte, da größere ISPs höhere Beiträge leisteten als kleinere Anbieter. Dies führte zu Spannungen innerhalb der Organisation und erforderte eine kontinuierliche Anpassung der Finanzierungsmodelle.
  • Wettbewerb durch neue IXPs: Mit dem Aufkommen neuer Internet Exchange Points wie dem MAE-East und dem DE-CIX verlor der CIX allmählich an Bedeutung. Diese neuen Plattformen boten höhere Bandbreiten und bessere globale Anbindungen, was viele ISPs dazu veranlasste, ihre Verbindungen zum CIX zu reduzieren oder ganz aufzugeben.
  • Sicherheit: Als zentraler Knotenpunkt für den Datenaustausch war der CIX ein attraktives Ziel für Cyberangriffe. Die Organisation musste kontinuierlich in Sicherheitsmaßnahmen investieren, um Angriffe wie Denial-of-Service (DoS) abzuwehren und die Integrität des Datenverkehrs zu gewährleisten.

Ähnliche Begriffe

  • Internet Exchange Point (IXP): Ein IXP ist eine physische Infrastruktur, die den Austausch von Internetdatenverkehr zwischen verschiedenen autonomen Systemen ermöglicht. Moderne IXPs wie der DE-CIX oder der AMS-IX sind direkte Nachfolger des CIX und bieten ähnliche Funktionen, allerdings mit höherer Bandbreite und globaler Reichweite.
  • Peering: Peering bezeichnet den direkten Datenaustausch zwischen ISPs, entweder über private Verbindungen oder über öffentliche IXPs. Der CIX war einer der ersten öffentlichen Peering-Punkte, der dieses Modell auf kommerzieller Basis umsetzte.
  • Transit: Im Gegensatz zum Peering, bei dem ISPs Datenverkehr direkt austauschen, bezeichnet Transit die Weiterleitung von Datenverkehr über einen zwischengeschalteten Anbieter. Transitmodelle sind in der Regel teurer als Peering und werden vor allem von kleineren ISPs genutzt, die keine direkte Verbindung zu anderen Netzwerken haben.
  • Autonomes System (AS): Ein autonomes System ist ein Netzwerk oder eine Gruppe von Netzwerken, die unter einer gemeinsamen Verwaltung stehen und eine einheitliche Routing-Politik verfolgen. ISPs betreiben in der Regel eigene autonome Systeme, die über BGP mit anderen autonomen Systemen verbunden werden.

Zusammenfassung

Der Commercial Internet Exchange (CIX) war ein Pionierprojekt, das den kommerziellen Datenaustausch zwischen Internetdienstanbietern ermöglichte und damit den Weg für das moderne Internet ebnete. Als einer der ersten Internetknotenpunkte schuf er eine neutrale Plattform, auf der ISPs unabhängig von staatlichen Restriktionen Datenverkehr austauschen konnten. Technisch basierte der CIX auf dem Peering-Modell und nutzte Protokolle wie BGP, um eine effiziente und skalierbare Datenübertragung zu gewährleisten. Obwohl der CIX heute keine aktive Rolle mehr spielt, legten seine Prinzipien den Grundstein für die heutigen Internet Exchange Points und prägten die Struktur des globalen Internets nachhaltig.

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